14. Mai 2007 at 5:50 pm (Uncategorized)

„Wir sind, was die Bildung betrifft, in der Lage Robinsons. Wir haben Schiffbruch erlitten.“ Dieses plakative Statement aus Schwanitz’ Bestseller „Bildung – Alles was man wissen muss“ dürfte derzeit verstärkt die Meinung zahlreicher Österreicher vertreten. Bildung -  ein oftgenannter, ausgelaugter Begriff und eine vieldiskutierte Materie, deren Aneignung oder vorzugsweise deren Besitz Jedermanns, und zwecks politischer Korrektheit Jederfraus Bestreben ist oder doch zumindest sein sollte.

Aber was genau ist eigentlich Bildung? Wie wird man gebildet und ab welchem Zeitpunkt steht einem zu, sich zu dem Kreis der Gebildeten zu zählen? Von welchem unserer Freunde, Bekannten und Verwandten würden wir ohne Zögern behaupten, er sei gebildet? Was ist es, das diese Personen auszeichnet? Fragen über Fragen, deren objektive Beantwortung nicht gerade eine einfache Aufgabe ist. Nichtsdestotrotz werde ich euch an meinen Überlegungen zu diesem politisch sowie sozial hochaktuellem und brisanten Thema teilhaben lassen.

In seinem brillanten Bildungsbuch vergleicht Schwanitz die Bildung mit einem Schachspiel. Der wirklich gute Spieler weiß, in welchem Fall er sich mit welchem Zug revanchieren muss. Er agiert scheinbar nonchalant und gleichgültig. Trotzdem hat er mit Aufmerksamkeit und durch Übung bis zur Beherrschung alles unter Kontrolle. Außerdem ist er sogar fähig, künftige Züge des Gegners vorauszusagen und hat darauf schon längst einen Gegenschlag parat. Doch mit keiner dieser Fähigkeiten trumpft der gewandte Spieler auf.

Genauso ist es in der Bildung. Der auf diesem Gebiet Heimische ist sich durchaus bewusst, was er sich und dem sich ohnehin schon selbst zur Genüge diskreditierenden Bildungssnobismus schuldig ist.

Es ist jedoch nicht einfach, das Bildungsterrain zu beschreiten. Wer vorhat, es zu betreten, muss das Spiel beherrschen. Doch wo, außer dort, ist es sonst noch möglich, dieses überhaupt erst einmal zu erlernen? Ein schwieriges Unterfangen…

Heutzutage ist es nicht mehr das Faktenwissen allein, das zählt. Natürlich schadet es nicht, wenn man sämtliche Geburtsdaten Maria Theresias’ Kinder oder den 3. physikalischen Hauptsatz der Wärmelehre auswendig aufsagen kann. Doch höchstwahrscheinlich ist es nicht das, womit man unsere Gesellschaft ehrlich beeindrucken kann. Viel wichtiger erscheint es mir, dass man die sozialen Spielregeln und die Kunst der Konversation beherrscht. Wer bei den wichtigsten politischen, sozialen, gesellschaftlichen und geschichtlichen Themen mitreden kann, wird es zu mehr Ansehen bringen, was des Öfteren, zugegeben, aber nur mehr als Halbbildung zu bezeichnen ist, denn als die wahre Bildung vom alten Schlag, welche Schwanitz meinte. Ich denke, dass diese Werteverlagerung in der Bildung der Hauptunterschied unserer heutigen Zeit im Vergleich zu früher ist.

Es wäre aber ungerechtfertigt und voreilig, zu behaupten, damals wären die Menschen noch geistreich gewesen. Manchmal scheinen einige ältere Mitbürger unter uns so zu denken. Tatsächlich gibt es heute ein umfassendes Bildungssystem. Nie zuvor hatten wir die Möglichkeit, aus einem riesigen Bildungsangebot genau jene Richtung auszuwählen und einzuschlagen, die uns für unser Werden am geeignetsten erscheint. Im Rückblick auf die Schullaufbahn und auf die Studiumszeit drängt sich bei vielen sicher die Frage auf, ob das persönliche Maximum aus dem Angebotenen geschöpft wurde. Ich denke, hier mit gutem Gewissen „Nein“ antworten zu dürfen, bzw. zu müssen. Wenn wir uns Bildungsziele gesteckt haben, welche davon haben wir wirklich erreicht?

Wahrscheinlich gilt es, in der Praxis des späteren Berufslebens, noch einmal (fast) alles neu, bzw. anders oder besser zu lernen. Dieser Erfahrungswert wurde mir auch von vielen Erwachsenen, die mitten im Berufsleben stehen, bestätigt. Trotz aller Lückenhaftigkeit hat dies bestimmt auch positive Seiten. Denn es gibt nicht ein einziges, bewährtes Rezept zum Erfolg. Aufgrund unseres individualistischen Daseins muss jeder für sich abwiegen, was gut ist und Wert für die eigene Entwicklung hat. Was für den einen ungeahnten Erfolg brachte, kann den anderen gravierenden Schaden zufügen. So sind wir unterschiedlich. Da es hierzu wohl nichts mehr hinzuzufügen gibt, ist es das Beste, den Text hier enden zu lassen.. ;-)

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